Priest Feast – mit Megadeth & Testament – Berlin 26.02.09
Montag, 2. März 2009
Priest Feast – mit Judas Priest, Megadeth & Testament – Berlin 26.02.09
Finster ist es und über Berlin hat ekeliger Nieselregen eingesetzt, wir suchen seit zwanzig Minuten erfolglos einen Parkplatz im Bereich der Max Schmeling Halle, ein reines Glücksspiel. Irgendwann entlassen meine beiden Mitfahrer meine Frau und mich, aus dem Gefährt und wir turnen schonmal zur Halle, da es bereits 19 Uhr ist und befürchtet werden muss den Anfang zu verpassen.
An der Kasse frage ich nach meinem Fotopass, den soll ich auch bekommen aber jetzt noch nicht, da rechts an der Tür soll ich warten bis ich eingelassen werde. Das ist natürlich doof, weil ich ja auch über eine reguläre Eintrittskarte verfüge, die ich zu meinem 40ten 30sten Geburtstag von Freunden geschenkt bekommen habe. Nun, ich betrete hier auch relatives Neuland und so sind mir die Gepflogenheiten hinter den Kulissen bei Veranstaltungen dieser Größenordnung nicht geläufig, ich bin jetzt etwas nervös, bitte aber meine liebe Frau, schon mal rein zugehen um Testament nicht zu verpassen. Ich stehe also 'ne viertel Stunde unter dem schmalen Vordach, welches mich notdürftig vor des Himmels Nass schützt. Dann endlich kommt eine junge Dame und holt mich in die Nebenräume, der Halle, wo die anderen Fotografen hier schon im Trockenen sitzen, Klasse, habe ich wohl was falsch verstanden. Jeder bekommt einen schicken Aufkleber, den es gilt irgendwo sichtbar anzubringen, dann werden wir durch die einige Flure in die Konzerthalle und dort in den rechten Backstagebereich geleitet, dann ist wieder warten angesagt. Das fällt nicht weiter schwer, den Testament spielen gerade ihre letzten Songs, wobei olle Chuck Billy als imposante Erscheinung aus Mensch und Haaren am vorderen Bühnenrand kniet und in seiner ihm eigenen Art ins Publikum bellt, einfach Klasse, leider wie gesagt, für mich etwas kurz.
Ich stehe also hinter der Absperrung und vertreibe mir die Zeit mit einem Schwätzchen mit zwei Kumpels, die mich hier wartend erspäht haben, kurze Zeit später taucht auch meine Frau auf und dann ist es auch schon Zeit für Megadeth. Dave und seine Mannen starten mit „Sleepwalker“, jetzt geht es also für die ersten zwei Songs in den Fotograben und natürlich darum so viel wie möglich Verwertbares auf den Chip zu ballern, eine recht hektische Angelegenheit welche mit hohem Adrenalinpegel einhergeht, aber der Spaß bleibt nicht auf der Strecke. Während „Take No Prisoners“ ertönt gibt’s das Zeichen für den geordneten Rückzug und ich schaue mir den restlichen Gig wieder aus Richtung meines Zäunchens an. Ich hatte ja schon einige Male von Dave's Eigenwilligkeiten auf der Bühne gelesen, die den Zuschauern manchen Gig eher negativ in Erinnerung ließen , heute jedoch haben die Anwesenden ohne Zweifel einen guten Tag erwischt, der Mainman glänzt mit Spielfreude und Megadeth, allen voran Bassist James LoMenzo, loten die komplette - mit Marshall Full Stacks aufmunitionierte - Bühne in Länge und Breite aus. Ebenfalls überzeugen kann Mustains noch frischer Sidekick und Ex-Nevermore Gitarrist Chris Broderick, der den Meister hervorragend ergänzt, so dass ober amtliche Gitarrensoli wie die von „Hanger 18“ fett rüberkommen und für Begeisterung sorgen. Seinen Gesang hat Dave Mustaine auch gut im Griff, er gehört ja nun zweifelsfrei nicht zu den Topsängern der Szene, aber ich muss sagen, recht passabel. Als dann ein Bierbecher in Richtung Bühne fliegt, wird Dave gottseidank nicht getroffen – wegen solcher Hirnlosen ging schließlich so macher Megadeth Gig eher als üblich zu Ende. „Peace Sells...“ beendet das reguläre Set, die Fans sind hörbar zufrieden, ihnen dürstet nach mehr, die Zugabe gibt’s in Form des Hammersongs „Holy War“. Nach ca. einer Stunde geht ein sehr gutes Konzert zu Ende, was zweifellos in bester Erinnerung bleiben wird.
Umbaupause bis die Priester kommen. Die halten Einzug zu den Klängen von „Down Of Creation“ welches nahtlos in „Prophecy“ vom aktuellen „Nostradamus“ Album mündet. Ich vernehme die Stimme vom Metal God himself konnte ihn aber neben der Fotografiererei aus dem Graben noch garnicht entdecken. Schließlich sehe ich Rob Halfford hoch oben auf einer der beiden Plattformen eingehüllt in einen ähhh Mantel, der etwas den Charme einer güldenen Rettungsdecke versprüht .
Die Bühne ist gänzlich in Rot Schwarz gehalten, zu beiden Seiten wehen rote Fahnen mit Judas Priest Logo. Bei den Tönen von „Metal Gods“ ist Rob Halford dann bei seinen Kollegen auf ebener Bühne angekommen, Käppi und Sonnenbrille sind abgelegt, nach dem theatralischem Teil legt nun der Nietenpapst los, ich gebe zu der Anblick dieser Band, die sich kein Stück von ihrem Metal Outfit entfernt hat begeistert mich ebenso, wie die zahlreichen Priest Jünger im Publikum, die ihre Band nun natürlich abfeiern. Um ehrlich zu sein hatte ich an dieses Priest Konzert nicht allzu große Ansprüche, und sicher ist es Tatsache, dass die besten Tage von Halfords Stimme gezählt sind, jedoch der Mann trägt's mit Humor und fasst sich nach einem eher verkorksten hohen Scream auch mal an den Hals und lässt die Zuge raushängen ;-). Gitarristen haben solche Sorgen natürlich nicht und hier wird ein Feuerwerk allererster Güte abgebrannt, die Gänsehaut erzeugenden Soli von K.K.Downing und Glen Tipton -vor allem bei „Sinner“ - klingeln mir jetzt noch in den Ohren!
Erfreulicherweise spannen Priest den Bogen der Songauswahl ziemlich groß, so dass es nur zwei echte „Nostradamus“ Songs in die Setlist schaffen, was auch gut so ist, da ich das Album schlicht nicht live tauglich halte, dafür gibt es aber die amtlichen Burner wie „Between The Hammer And The Anvil“ „Dissident Aggressor“(von dem ich gaaanz früher echt mal dachte er sei von Slayer) oder „Hell Bent For Leather“ zu welchem Rob natürlich mit der Harley auf die Bühne bollert, ein Anblick, den man nicht vergisst. Es gab natürlich auch „Painkiller“ wobei man sich fragen muss warum sich Halford mit diesem Song geißelt, da er ihm gesanglich am aller wenigsten gewachsen ist, der Hall auf dem Mic wenigstens unterstützt ihn etwas. Zusammenfassend bleibt mir zu sagen, Judas Priest legten ein große Spielfreude an den Tag, obschon ich mir bewusst bin, dass die Band als hoch professionell gelten muss, was es schwierig macht, das wirklich vorhandene Herzblut einzuschätzen. Ich für meinen Teil habe mich entschieden, einen hohen Anteil davon gesehen zu haben, die über 30 jährige Bühnenerfahrung war in allen Belangen spürbar, also ein rundum gelungener Gig!
Wieder zu hause hieß es die Speicherkarte leeren...260 Fotos in ca 25 Minuten, was davon übrig blieb könnt ihr Euch hier ansehen.